„Ich bin ein Nordschleswiger“ – Leif über Identität, Engagement und das Leben in der deutschen Minderheit

Beitrag Deutsch Erzählungen Video
Leif gehört zur deutschen Minderheit in Dänemark. Zwischen zwei Sprachen und Kulturen hat er gelernt, dass man sich nicht entscheiden muss. Er engagiert sich politisch und kulturell und steht für eine moderne, offene Minderheit, die Brücken baut.

Leif aus Gravenstein (Gråsten) ist seit zwölf Jahren Teil der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Zwischen deutscher und dänischer Kultur hat er seinen eigenen Platz gefunden – als junger engagierter Nordschleswiger, der Brücken baut.
Zwischen Deutschland und Dänemark

Für Leif bedeutet das Leben als Nordschleswiger, auf die Schulen der Minderheit zu gehen und sich in den Institutionen zu engagieren. „Die Minderheit ist für mich eine Art Zufluchtsort für meine Identitätsvorstellung, denn ich sehe mich weder als komplett deutsch noch als komplett dänisch.“

Lange habe er gedacht, man müsse sich entscheiden. „Das muss man aber nicht, denn ich bin Teil der Minderheit. Ich kann immer sagen: Ich bin Nordschleswiger.“

Das Herz der Minderheit: Haus Nordschleswig

Wir stehen im Haus Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa) – dem Verwaltungszentrum der deutschen Minderheit. Im Haus befindet sich der BDN mit seinen dazugehörigen Organisationen, bspw. dem DSSV, die SP und viele weitere Einrichtungen. Diese Struktur verknüpfe Schulen, Kulturarbeit und Politik.

Leifs Alltag ist zweisprachig. Mit Freunden und in der Schule spricht er meist Deutsch, außerhalb Dänisch. Für ihn kein Gegensatz, sondern Normalität. Einmal im Jahr trifft sich die ganze Minderheit auf dem Knivsberg: Sport, Kultur, Austausch – ein Fest, das Zusammenhalt spürbar macht.

Leif engagiert sich auch politisch. Er kandidiert für die Schleswigsche Partei, die Interessen der deutschen Minderheit in den Kommunen Sonderburg (Sønderborg), Apenrade (Aabenraa), Hadersleben (Haderslev) und Tondern (Tønder) vertritt – in Tondern sogar mit einem Bürgermeister.

 

Manchmal, sagt Leif, scheint die Welt manchmal düster. „Aber wenn man etwas kurzfristiger schaut, dann ist die Lage doch eigentlich ganz gut“. Er wünscht sich, dass Menschen einander besser zuhören, zusammenhalten und gemeinsam Lösungen finden. Und dass die deutsche Minderheit bleibt, was sie ist: stark, lebendig und getragen von beiden Seiten der Grenze.